Pfui, pfui, und nochmal pfui kann man da nur sagen.
Direkt bei uns um die Ecke fand die Trauerfeier des jüngst in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten statt. Mein Mitleid gilt natürlich den Hinterbliebenen. Ich möchte auch gar keine Grundsatzdiskussion vom Stapel brechen, ob Soldaten nun Mörder sind oder nicht (obwohl ich hinzufügen muss, dass ich diesem Spruch nicht uneingeschränkt zustimmen kann), vielmehr geht es mir um die mediale Inszenierung dieses Trauerfalls und wie die politischen Vampire anscheinend fern jeglichen Unrechtsbewusstseins auch noch den letzten Tropfen politischen Vorteils aus diesem Uglück saugen.
Vielleicht zum besseren Verständnis mal der link, der mich so erzürnt hat:

http://www.welt.de/welt_print/article2382432/Ein-viel-zu-frueher-gewaltsamer-Tod.html

Von einem Tod, der nicht umsonst gewesen sein dürfe, spricht Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zur Trauergemeinde. Von der Sicherheit auch Deutschlands, für die der Hauptfeldwebel, "ein lebenslustiger, fröhlicher Mensch und leidenschaftlicher Soldat", sich in Afghanistan eingesetzt habe. Vom Auftrag, der weitergehen müsse. Trotz des Todes. Gerade wegen des Todes. M. war der 28. Bundeswehrangehörige, der seit 2002 in Afghanistan sein Leben verlor.

Jeder Tod der durch Gewalteinwirkung geschieht ist meines Erachtens nach ein sinnloser Tod. Das in irgendeiner Weise simplifizieren und rechtfertigen zu wollen, kann letztlich nur in sinnfreiem Gesäusel enden... so auch hier.
Die Sicherheit Deutschlands?
Hat das was mit der Verteidigung Deutschlands zu tun? Ich glaube ja.... hmmm... welches Bundesland grenzt bei uns noch mal an Afghanistan? Also irgendwie gehör ich wohl auch zu denen, die bei der Pisa-Studie irgendwas falsch machen würden.
Aber wie uns ja schon lange erklärt wurde, hat die Bundeswehr ja nicht mehr nur primär die Landesverteidigung zur Aufgabe:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/13/13778/1.html

Es gibt schliesslich neue Aufgaben, die erfüllt werden müssen, neue Länder die erobert ääähmm "befreit" werden müssen und es wird immer einen neuen US-Hintern geben, der genug Platz für bestimmte Köpfe bietet.

Das schreit doch förmlich nach einer Umbenennung der Bundeswehr... das ist doch gar nicht mehr zeitgemäß... hmm... "Weltwehr"? Neee, das klingt zu passiv... "Bundesarmee"? kommt schon besser... was streben wir denn eigentlich an? ... ah jetzt hab ich's: "Imperialarmee". Man muss ja nen Namen wählen der auch in fünf bis 10 Jahren noch Aussicht auf Aktualität hat. Naja, mal wieder weg von meine abstrusen Gedanken und zurück zu dem Artikel.

Von der "Sprachlosigkeit" im Angesicht des "feigen, menschenverachtenden Anschlags" und des "viel zu frühen, gewaltsamen Todes" hat vor der Rede Jungs Militärdekan Monsignore Rainer Schnettker gesprochen. Eine Sprachlosigkeit, die nur durch das Wort Gottes überwunden werde: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?" Die Auferstehung als Hoffnung. Das Leben gehe weiter, sage man, so der Dekan, mitunter, und das sei im Angesicht Jesu auch berechtigt. Das Leben geht weiter, auch in Afghanistan, wo sich nach den Worten Jungs die Sicherheitslage verschärft hat.

Hmm, was soll man dazu groß sagen? Applaus für diese tolle Show. Liebe Politiker, zählt doch nochmal nach, wie viele Waffen von Deutschalnd aus jährlich exportiert werden und stellt euch die Frage, ob die unsere Käufer damit auf Tontauben schiessen.. und DANN sprecht euch nochmal von irgendeiner Schuld frei. Sprecht dann von Menschenverachtung. Jetzt die USA bedingungslos unterstützen, die überhaupt erst Taliban hochgerüstet haben... tja so Sprengfallen wachsen auch nicht an Gottes wunderbaren Granat(apfel)bäumen.
Es heisst auch: "Selig die, die Frieden stiften." Viele Soldaten - vielleicht sogar der Großteil - setzen in Afghanistan täglich ihr Leben auf's Spiel in dem festen Glauben, dass sie etwas positives dort bewirken. Ich glaube natürlich nicht, dass es alles kriegsgeile, mordlüsterne Fanatiker sind... aber ich glaube auch, dass viele dieser Soldaten nicht wissen - oder nicht wahrhaben wollen - dass sie von einer Regierung da hin geschickt werden, die die Gefahr und das Unrecht in Afghanistan überhaupt erst mitverursacht haben.... mitverursacht durch Waffenexport, Bewachung der Opiumfelder und die permanente, rückgradlose Unterstützung der imperialistischen USA. Oh welch ein Wunder dass wir da vielleicht auch nicht mehr überall everybody's darling sind.
Die Sicherheitslage hat sich verschärft? Ähhhhm hallo war das nicht zu erwarten? Kommt das tatsächlich so überraschend? Schliesslich wird Afghanistan besetzt. Oh und ich würde mich freuen, wenn diesbezüglich ein Widerspruch kommt, denn wenn es nur um "Friedenssicherung" geht, dann kann ja auch Russland uneingeschränkt lange in Georgien bleiben.

Wer ist jetzt schuld an dem Tod?
Wer hat die Soldaten denn da hin geschickt? Wir?
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,490273,00.html

Oder doch eher DIE,
http://www.abgeordnetenwatch.de/verlaengerung_afghanistan_einsatz_isaf_tornado-636-138.html

die nicht so entschieden haben, wie WIR es eigentlich wollen.

"Von der "Sprachlosigkeit" im Angesicht des "feigen, menschenverachtenden Anschlags" und des "viel zu frühen, gewaltsamen Todes" hat vor der Rede Jungs Militärdekan Monsignore Rainer Schnettker gesprochen."

Sprachlos kann man da sein, ja ... aufgrund eines solch feigen und menschenverachtenden Anschlags, den unsere Bundesregierung hinter unserem Rücken - nein, schlimmer noch: direkt vor unseren Augen - auf den Volkeswillen verübt hat und beschlossen hat, dass auch zukünftig noch weitere Soldaten ihr Leben für diese ach so gerechte Sache lassen.

SHAME ON YOU.

Update:

Und ganz frisch grad gelesen:
http://www.jungewelt.de/2008/09-02/057.php

Tja, wenn die Soldaten töten, wird's mit der Jugend und Übereifer entschuldigt, wenn sie sterben, wird ihre Jugend glorifiziert und ihr Eifer gelobt.