Eins vorweg: Ich möchte niemanden zu Raubkopien anstacheln, oder einen bestehenden Straftatbestand euphemisieren, aber ich möchte doch ein paar Gedanken anbringen, die es vielleicht wert sind, bedacht zu werden.
Zunächst haben wir ja in der Musikindustrie die Absatzflaute die angeblich auf die vielen Raubkopien zurückzuführen ist:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/
Umsatzeinbußen von knapp 5 Prozent!!! wow.... soll ich darüber mal lachen?
wie sieht das denn in anderen Sektoren aus? Autoindustrie?
"Experten sagen der deutschen Autoindustrie Umsatzeinbussen von bis 15 bis 50% durch die kommende EU-Umweltpolitik voraus."
http://www.wattgehtab.com/index.php/content/view/228/13/
Auch die Buchindustrie sieht nicht mehr so rosig aus, aber da wird es ja auch gern auf die Raubkopierer geschoben, ebenso wie mit den Filmen. Also was ist dran?
Nehmen wir die 5 Prozent Umsatzeinbussen durch Raubkopierer.
Wenn ich mp3 aus dem Internet kostenlos irgendwo runter laden würde (was nicht heisst, dass ich es tue) würde das
1. nicht zwangsläufig heissen, dass ich mir die CD oder das Album ansonsten auch tatsächlich gekauft hätte. Wenn ich das Album eh nicht kaufen wollte, entsteht in dem Moment der Musikindustrie auch kein Schaden.
2. nicht zwangsläufig heissen, dass ich mir das Album NICHT kaufe. Es wäre also auch durchaus möglich, durch ein zwei Titel des Albums dazu motiviert zu sein, sich das ganze Album auch als "Original" zu kaufen
3. nicht heissen, dass ich mir nicht vielleicht schon das Album gekauft habe, es aber nicht mehr lesbar oder es verloren gegangen ist oder ähnliches. Auch in dem Fall würde der Musikindustrie kein Schaden entstehen. natürlich kann man argumentieren und sagen: Tja, dann müsstest du es ansonsten aber neu kaufen... theoretisch richtig, aber rein faktisch besteht ja kein Unterschied darin, ob ich mir von dem Original eine Sicherheitskopie brenne oder ob ich mir von dem Original eine Sicherheitskopie aus dem Netz lade. Wenn ich für das Original bezahlt habe, kann ich es auch privat nutzen wie ich möchte.
4. bedeuten, dass ein anderer Sektor wieder daran verdient, selbst wenn es nur die Hersteller von CD-Rohlingen sind. Da nehmen wir als beispiel mal Sony. Sony hat sowohl bei der Musikindustrie Sony BMG die Finger mit drin als auch bei den CD-Brennern und Rohlingen usw. Wenn der "Musikindustrie" wegen der Raubkopierer also Gelder verloren gehen, dann kann man also auch ebensogut sagen, dass sie der "Datenträgerindustrie" auf die ein oder andere Weise wieder zugute kamen. Bei solchen Gedanken denke ich mir dann: Was jammert ihr denn eigentlich?
5. nicht zwangsläufig heissen, dass ich nichts von Urheberrecht halte oder den entsprechenden Künstler damit schade. Wer sich hier als Urheber aufspielt ist in Wirklichkeit ja nicht der Künstler, sondern das Plattenlabel. Der Künstler selbst verdient ja nicht wirklich viel an den verkauften Alben, sondern das Meiste bleibt bei den Plattenfirmen hängen und letztlich zum Beispiel der Blödia Markt der es vertreibt. Man sollte also mal prüfen, inwiefern denn nicht schon eine Urheberrechtsverletzung stattfindet, wenn Plattenfirmen sich als geschädigte Urheber sehen. Ich meine, ich weiß ja, dass der Künstler in dem Moment in dem er einen Vertrag mit dem Label abschliesst, quasi auch seine Urheberschaft abgibt und dem Label freie Hand lässt... aber dennoch: sollte es sich nicht gerade um eine Band oder einen Solokünstler handeln, der die songs schon vom Plattelanbel komponiert bekommt, sondern sollte es sich tatsächlich noch um Musiker handeln, die SELBST Musik schreiben (jaaa, solche gibts auch noch), dann kann auf einem Fetzen Papier meiner Ansicht nach stehen was will, er ist und bleibt Urheber. Und wenn es diesem Künstler dann auch noch wurschd ist, ob die CD's geladen werden oder nicht ("die Ärzte" vertreiben ihre CD's auch immer ohne Kopierschutz, weil der ganze Digital Rights-Prozess nur unnötig alles verkompliziert), dann kann man erst recht nicht von einer Schädigung reden. Musikbusiness ist ja bei weitem nicht nur Musikverkauf... es geht ja auch noch um Merchandising, T-Shirts, Poster, Konzerte, Interviews, Fernsehauftritte uswusw.
Ach jaaaaaa. vielleicht sind die Einbussen aber auch darauf zurückzuführen, dass wir gerade dabei sind, unsere Wirtschaft in den Abgrund zu steuern und deswegen vielleicht kein Geld mehr haben zum kaufen.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft
Abschliessend möchte ich noch was zu diesem tollen Werbespot sagen, der meist als erstes auf einer DVD aus der Videothek zu sehen ist. Der, in dem Raubkopierer als Diebe kriminalisiert werden... "you wouldn't steal a movie..." Ich hab mir da nur mal die Frage gestellt: Wenn ich den Film kaufen wollte, warum gehe ich dann in die Videothek? Natürlich gibt es Filme, die man dann auch einfach selbst haben möchte... und zwar als Original und die Videothek war da vielleicht ausschlaggebend dafür... aber wenn ich mir jetzt überlege, was wäre wenn Filme aus der Videothek kopiert werden... hat die Filmindustrie dann nicht trotzdem das gleiche Geld gemacht? Durch die Ausleihgebühren? Videotheken müssen doch extra Lizenzen erwerben, die auch wieder an die Filmindustrie bezahlt werden. Rein theoretisch würde es dann doch auch kaum einen Unterschied machen, ob ich mir den Film ausleihe und bezahle, oder ob ich ihn ausleihe, kopiere und bezahle.
Ich weiß, der Gedanke sollte nicht sein, aber ich denke ihn trotzdem. Man muss einfach auf der Hut bleiben, sich allzu schnell von vorgefertigten Meinungen beeinflussen zu lassen. Hoffe, ich konnte doch den ein oder anderen neuen Impuls setzen,
damit es nicht zu so etwas kommt:
http://www.gulli.com/news/musikindustrie-soll-zugriff-zu-2008-04-08/
Ach ja, da war doch so eine Aussage unseres Innenministers: "in eng begründeten Ausnahmefällen"
Update: 09.04.08:
http://www.gulli.com/news/bundestag-schafft-freiwild-f-r-2008-04-09/
Aber man kann einen ja auch vom Internet-Leben abschneiden, wenn man nicht richtig spurt:
http://futurezone.orf.at/it/stories/269299/
Die Maßnahmen und Vorstellungen werden immer lächerlicher... von Tag zu Tag. Da verdienen sich ein ganzer Zweig von Anwälten ne goldene Nase allein an den Abmahngebühren, die sie erheben. Wie dann an die entsprechenden Infos - ob jemand was gelden hat oder nicht - gekommen worden ist und ob das wirklich im Einklang mit dem Datenschutz geschehen ist.... tja da fragt doch der verängstigte Otto-Normal-Sauger nicht nach, wenn er auf einmal Post vom Anwalt im Briefkasten hat.
Unsere Obrigkeitsangst und blinde Gefolgschaft wird bizarre Züge annehmen, wenn nicht bald etwas geschieht.
Dogville ist ein wunderschönes, subtiles Beispiel, ein Film, der immer und immer wieder mich zum Nachdenken angeregt hat, wie viel man sich antun lässt, bevor man etwas unternimmt. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen. Und das ist ein Film, der auf jeden Fall als "Original" in der Sammlung sein muss.
DerDemokrat
Hallo Hoschi ...
ja, diese Thematik Raubkopie ist schon ziemlich heikel.
Was mich eigentlich daran aufregt, ist dieser ziemlich überzogene Schutz der Urheberrechte, weniger bei der Musik als bei Software.
Bei Musik will ja ein Künstler auch leben, leider ist es die Musikindustriemafia, die am meisten daran verdient.
Bei Software allerdings sehe ich nicht ein, dass ich z.B. gekaufte Software nicht z.B. über die Quellcode an meine Bedürfnisse anpasse, wenn ich dazu in der Lage wäre. Wenn ich es trotzdem mache, bin ich ein Verbrecher. Gleiches gilt, wenn ich von einer gekauften CD unter Umgeheung des Kopierschutzes Musik kopiere, um mir z.B. eine CD mit MP3 fürs Auto mit meiner Lieblingsmusik zusammen zustellen. Auch dann bin ich ein kleinkriminelles Etwas ...
Nehmen wir doch mal ein anderes Beispiel, um dieses Problem zu verdeutlichen:
Ich kaufe ein Kochbuch - geistiges "Eigentum" des Autoren. Ich nehme jetzt das Rezept für Gulasch. Da steht dann sowas drinn, wie 500g Schwein, 500g Rind, 4 Paprikaschoten, 5 Zwiebeln etc.
Nun vertrage ich vielleicht keine Zwiebeln oder essse kein Schweinefleisch. Wenn ich jetzt unter Verwendung des vorliegenden Rezeptes die Zwiebeln oder das Schwein weglasse und durch anderes ersetze, verändere ich das geistige Eigentum des Autors. Will sagen: Was beim Kochvorgang vollkommen normal und akzeptiert ist, ist bei Software eine Straftat und ein Verstoß gegen Urhebergesetze. Der Sinn und Zweck jedoch ist der selbe: Anpassung eines geistigen Eigentums eines Dritten an meine Bedürfnisse.
Das zweite Problem dabei ist: Ich kaufe eine CD. Diese CD geht mit Kauf in mein Eigentum über, durch den Verkauf tritt der Herausgeber der CD seinen Besitz an mich ab. Was ich jetzt mit der CD mache, ist einfach mal mein Ding. Mir schreibt ja auch niemand vor, an welche Stelle ich ein Brett im neuen Schrank einbaue ... und auch dessen Herstellungskonzept war mal geistiges Eigentum des Konstrukteurs. Und niemand wird sich aufregen, wenn eine Frau ein großes Kopftuch modisch um die Hüfte legt.
Urheberrechte verletze ich nur dann, wenn dich die Inhalte als mein geistiges Eigentum ausgebe, und diese als solches auch vermarkte. Wenn ich mein CD-Software-Eigentum ausschliesslich zum eigenen Gebrauch modifiziere, begehe ich keinen Verstoß gegen Urheber's Rechte ...
... nur müssten das unsere Flitzpiepen von Politikern verstehen. Machen sie aber nicht, weil sie Lobbyisten sind. Und so kommen wir wieder zu den politisch-wirtschaftlichen Verbindungen und Verflechtungen, die in Deutschland allmählich mafiösen Charakter annehmen.