Wer kennt es nicht, das Gefühl etwas tun zu müssen, sich zu etwas durchzuringen, von dem man es eigentlich will und doch irgendwie Angst davor hat, es dann auch wirklich umzusetzen?
Man spürt eigentlich genau, wie einen die Angst vor der Umsetzung lähmt und in der Stagnation gefangen hält. Nur selten packen wir die wirklich wichtigen Dinge im Leben so konsequent an, wie wir es mit den Alltäglichkeiten machen. Woran liegt es? Daran dass wir bei den großen Dingen wesentlich mehr zu verlieren haben als bei Kleinigkeiten? Was ist uns dabei wichtig? Unser Stolz, nicht versagen zu wollen? Oder doch eher die Bequemlichkeit, mit den bereits bekannten Gegebenheiten wesentlich besser umgehen zu können als mit dem großen Unbekannten? Fragen über Fragen, die sich vielleicht schon jeder einmal gefragt hat?
Doch manchmal verbringt man mehr Zeit mit dem Infragestellen als mit dem Handeln und irgendwann hat man vielleicht sein Leben verträumt. Das folgende Gedicht schrieb ich im Jahr 2000 und ich habe es ausgewählt hier zu veröffentlichen, weil es uns klar machen soll, dass es für manche Dinge irgendwann zu spät ist, dass nicht alles sich noch zu einem späteren Zeitpunkt erledigen lässt und dass manche Dinge zu wichtig sind, um sie einen blossen Gedanken oder Wunsch bleiben zu lassen:
Zuviel geträumt
Ein Wimpernschlag: offen; doch immer noch schwer.
Ich ergründe im Herzen wie ich mich heut fühl,
An Tagen wie heute bin ich einsam und leer.
An Tagen wie heute wirkt der Himmel so kühl
Wenn morgens die Wolken so düster und schwer
Am Himmel hängen als sehnten sie sich,
sich auszuweinen, mehr und mehr
so erfüllt das selbe Gefühl auch mich.
Durch die Fenster der Seele sehe ich sie
Meere aus Tränen, fest in mir verschlossen
Ich möchte darin baden, doch tu ich es nie
Hab noch keine dieser Tränen vergossen
Dies‘ Salz halt ich in mir, niemand soll spüren
Wie tief’s mich bewegt, nicht bei dir zu sein
Ich lass dunkle Wolken mein Herz zu dir führen
Und wein‘ dann im Stillen für mich ganz allein.
Ich wein‘ ohne Ende und ich wein‘ ganze Flüsse
Die sollen fließen ganz weit, bis zu dir.
Und mit ihnen sende ich zehntausend Küsse
Die soll’n dich führen.. lass dich führ’n zu mir.
So denke ich grad.. und unser Lied klingt schon wieder
So grausam und schön, läuft’s mir kalt über’n Rücken
Wo bist du jetzt nur... .. das Lied läuft schon wieder
Die Zeit vergeht - lässt kaum Raum für Entzücken.
Schluß jetzt, was träum ich, was will ich nur sagen?
Was will ich, was mach ich alleine nur hier?
Ich raffe mich auf, und werd‘s endlich wagen.
Ich geh jetzt zum Auto, sofort, fahr zu dir.
Noch schnell ins Bad, und mich für dich rasieren
Dich halten, dich spüren, oh ich freu mich auf dich
Ich seh deine Augen – nur noch schnell frisieren
In den Spiegel ein Blick... - erschüttert es mich.
Versteinert steh ich – ich kann es kaum glauben
Zeit heilt die Wunden, so sagt man doch oft
Die Zeit hat‘s geschafft, mir alles zu rauben
Hab ich zu lang gewartet und zu lang gehofft?
Vorfreude sich in Trauer verlierend -
bemerk ich geschockt am grauen Haar
das gezeichnet vom Alter meinen Kopf verzierend
beweist, daß ich seit Jahren nicht bei dir war.