Also, was sagen wir zur aktuellen Pisa-Studie?
Sind wir jetzt schlauer oder nicht? Haben sich die offensichtlichen Bemühungen unserer Politiker bezahlt gemacht, unser Bildungssystem zu verbessern? Schliesslich gab es ja etliche Einsparmassnahmen, die unsere Schüler in der ach so wichtigen Studie vornabringen sollten:
- Mehrbelsatung von Lehrern
http://www.abendblatt.de/daten/2003/10/23/221712.html
- Größere Klassen
http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=7833800&artId=12441950&offset=7
Ein Beispiel aus Hessen (schon etwas älter aber dennoch richtungsweisend):
http://www.wsws.org/de/2003/okt2003/koch-o07.shtml
http://www.wsws.org/de/2003/nov2003/hess-n21.shtml
Ach so dann haben wir noch die Nachmittagsbetreuung...
was das mit Einsparung zu tun hat? Nun, so sozial das ganze auch auf den ersten Blick scheinen mag... was ist denn die logische Konsequezn aus der Nachmittagsbetreuung?
1. Die Kinder sind NOCH mehr an Fremderziehung gebunden und noch WENIGER an familiären Halt.
2. Das Elternteil das ansonsten vielleicht nur halbtags oder gar nicht arbeiten könnte, kann jetzt VOLLZEIT arbeiten. Na was für ein Glück... aber für wen? Für das Kind? Für das Elternteil? Oder doch eher für den Staat?
Aber jetzt zu den PISA-Studien:
Wie bei der Klimaforschung ist es auch bei PISA so, dass sie von den Regierungen der OECD finanziert werden. Gut, das alleine ist ja noch nicht schlimm, aber die ERGEBNISSE werden im Eigenverlag der OECD ohne vorherige externe Begutachtung veröffentlicht. Eine Primärveröffentlichung in Fachzeitschriften wäre auch gar nicht möglich, denn die Mehrheit der Testaufgaben (in der Sprache der Psychologie: der "Instrumente") wird geheim gehalten, was einen offenkundigen Verstoß gegen wissenschaftliche Standards darstellt.
Sehr schön. Das kennen wir ja irgendwie auch vom "menschlich verschuldeten Klimawandel".
Wer finanziert jetzt am meisten?
Na ratet mal... wenn es schon in meinem ach so "antimerikanischen" Blog steht... tja es ist aber nunmal fakt dass mehr als 25 Prozent der Finanzierung über die USA läuft... und das bei 30 Mitlgiedsländern. Natürlich hängt das mit der Wirtschaftskraft zusammen, aber dennoch:
Durchschnitt wäre also, 3,3 %. USA finanzieren jedoch 25 %
Wer Geld für eine bestimmte Studie hinlegt, hat auch ein Interesse an einem bestimmten Ergebnis denke ich mir.
Dann ist niemandem wirklich klar, inwieweit die Tests überhaupt den Inhalten der Lehrpläne entsprechen. Da die Testverfahren geheim gehalten werden ist deren Validität von niemandem offiziell nachweisbar.
Der Mathematikdidaktiker Meyerhöfer hat auch ein Buch herausgebracht, in dem er die Irreführung der veröffentlichten Testfragen erläutert. Auch andere Kritiker zweifeln an der Seriosität der Studie:
http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/pisa-studie-schrott/
Meyerhofer kritisiert insbesondere folgendes:
- Oftmals gibt es so viele Möglichkeiten, zur gewünschten Lösung (die nicht in jedem Fall die richtige Lösung ist) zu gelangen, dass man nicht benennen kann, welche Fähigkeit die Aufgabe eigentlich misst. Das Konstrukt ?mathematische Leistungsfähigkeit? wird damit zu einem zufälligen.
- Es werden Komponenten von Testfähigkeit mitgemessen. Als Kernkompetenz von Testfähigkeit stellt sich heraus, weder das gestellte mathematische Problem noch die angeblichen realen Probleme ernst zu nehmen, sondern sich stattdessen auf das zu konzentrieren, was die Tester angekreuzt oder hingeschrieben sehen wollen. Prinzipiell erweist es sich als günstig, mittelmäßig zu arbeiten, auf intellektuelle Tiefe in der Auseinandersetzung mit den Aufgaben also zu verzichten.
- Man kann bei Multiple-Choice-Tests raten. Die PISA-Gruppe behauptet zwar, dieses Problem technisch überwinden zu können, dies erweist sich aber als Fehleinschätzung.
- Die vorgeblich verwendeten didaktischen und psychologischen Theorien sind lediglich theoretische Mäntel für eine theoriearme Testerstellung.
- Die Tests werden nicht durch Operationalisierungen von Messkonstrukten erstellt, sondern durch systematisches Zusammenstückeln von Aufgaben.
- Bei PISA sollte ?Mathematical Literacy? getestet werden. Verkürzt sollte das die Fähigkeit sein, ?die Rolle, die Mathematik in der Welt spielt, zu erkennen und zu verstehen, begründete mathematische Urteile abzugeben und sich auf eine Weise mit der Mathematik zu befassen, die den Anforderungen des gegenwärtigen und künftigen Lebens einer Person als eines konstruktiven, engagierten und reflektierten Bürgers entspricht? (PISA-Eigendarstellung). Von all dem kann angesichts der Aufgaben keine Rede sein.
- Es zeigt sich ein mathematikdidaktischer Habitus, der unter dem Stichwort der ?Abkehr von der Sache? zusammengefasst wird. Er umfasst folgende Elemente: Manifeste Orientierung auf Fachsprachlichkeit bei latenter Zerstörung des Mathematischen, Illusion der Schülernähe als Verblendung, Kalkülorientierung statt mathematischer Bildung, Misslingen der ?Vermittlung? von Realem und Mathematischem bei realitätsnahen Aufgaben. Letzteres gründet in der Nichtbeachtung der Authentizität sowohl des Realen als auch des Mathematischen.
http://www.math.uni-potsdam.de/prof/o_didaktik/a_mita/ac/Veroe/Wolfram_Kulturindustrie.pdf
Übersetzungsschwierigkeiten kommen dabei auch noch erschwerend hinzu. Die Textlänge aller Aufgaben unterschiedet sich dabei teilweise um bis zu 10%.
Außerdem ist man in Deutschland das "multiple-choice" system nicht gewöhnt.
Bis zu 10 Prozent der deutschen Schüler kreuzten mehr als eine Antwortmöglichkeit an. Bei Schülern die dieses Aufgabenformat bereits kennen, passierte das nicht.
Mein Lieblingsthema: Behinderte bzw. benachteiligte Schüler:
Nicht nur dass je nach Land die Schulpflichtigkeit und auch die Schulanwesenheit der 15-jährigen stark variiert (In der Türker 54 % aller 15-jährigen, in Deutschland mehr als 96%), auch bestimmte Gruppen von Schülern wurden in verschiedenen Ländern herausgenommen:
Nur in sieben Ländern, zum Beispiel auch Deutschland, wurden lernbehinderte Jugendliche mitgetestet.
Dänemark, Finnland, Griechenland, Irland und Polen haben Legastheniker vom Test ausgeschlossen
In Dänemark wurden auch Schüler mit Rechenschwäche ausgeschlossen.
Verstoß gegen internationale Regeln: Kanada, Dänemark, Neuseeland, Spanien und die USA haben mehr als die erlaubten 5% der Zielpopulation ausgeschlossen.
Die Pisastudie sagt nichts über die ENTWICKLUNG der Schüler aus. Außerdem ist nicht klar, mit welche VORWISSEN, die Schüler überhaupt erst in die Schule kommen und es ist nicht ersichtlich welche NACHBEREITUNG noch geschieht, bevor die Schüler ihren Schulabschluss machen. Allein daher ist dieses kleine Segment des IST-Zustandes eigentlich relativ unbrauchbar und vor allem: Es sagt nicht zwangsläufig etwas über das Schulsystem oder gar die Lehrer aus.
Soviel mal dazu. Vielleicht finde ich noch ein wenig mehr.