Oft habe ich das Gefühl, dass wir gerne oder vorschnell (und auch gerne vorschnell) Faschismus in die Ecke des Nationalsozialismus schieben und da gehört er dann auch hin... ab in die Nazi-Mottenkiste und dort kann er dann zustauben. Irgendwann hat sich vielleicht so eine dicke Staubschicht auf dem Faschismus gebildet, dass man ihn gar nicht mehr als solchen erkennen kann, oder? Ist doch möglich. Also noch mal zum mitschreiben: Was ist überhaupt Faschismus und was hat das mit dem Hier und Jetzt und mit uns allen zu tun?
Kennzeichen des Faschismus:
- Führerprinzip: Die Ideologie heisst “Kampf dem internationalen Terrorismus”. Alles darauf ausgerichtet.
- Gewaltsames Machtstreben: Na DAS ist ein Punkt, den kann man diskutieren. Was ist denn Gewalt? Militärputsche sind bei uns doch gar nicht notwendig. Die Gesetze die nicht passen werden einfach so gebrochen bzw im Nachhinein abgeändert. Da sich keiner wehrt, braucht man auch keine militärische Gewalt… aber falls DOCH… tja da kriegen wir ja dann die Möglichkeit in ne revoltierende Menge zu schiessen (siehe EU-Vertrag)
http://infokrieger.blog.de/2007/10/18/mehr_demokratie~3159082
- msytisch irrationale Weltanschauung: Also die Gefahr die von jedem Kopftuchträger ausgeht ist für meine Begriffe schon irrational, um nicht zu sagen irre genug.
- Rassismus: Ist für mich genau in dieser Weltanschauung ebenfalls zu sehen. Ob man sich selbst für Rassisten hält oder nicht… wenn doch die Angst vor dem Terror so groß ist, dass jeder der muslimisch aussieht als potentieller Terrorist gebrandmarkt wird, hat das rassistische Grundzüge.
http://politblog.net/krieg-terrorismus/polizeiueberfall-in-der-lueneburger-heide.htm
- Sozialdarwinismus: Was mit dem Arbeitsmarkt gemacht wird, mit Hartz 4, mit den 1-Euro Jobs… “Arbeitsplätze” werden geschaffen, mit denen man niemals eine Familie eränhren kann… und trotzdem wird einem das Bild vermittelt: Es gibt genug Arbeitsplätze, es wird alles besser, man muss nur WOLLEN. Genau damit impliziert man doch dass nur die “Auslese der Besten” eine Chance hat. Kranke Menschen werden dabei eh schon so gut wie "ausgesondert". Das hat man doch vor 60 Jahren auch schon gemacht...
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/erfolggeld/artikel/943/75868/
Künstler hingegen... nun ich denke, das weiß schon jeder, was die Arbeitsmarktpolitik auch für den musischen Bereich bedeutet, wenn die Angst am Existenzminimum zu leben größer ist als die freie künstlerische Entfaltung:
http://cms.ifa.de/index.php?id=zimmermann&L=
- Superiorismus: “dass eine bestimmte Person bessere Entscheidungen treffen kann als andere, oder ein Kollektiv.” (quelle: wiki) dazu zitieren wir einfach mal Herrn Schäuble: “Wir werden uns dem Druck der Straße nicht beugen.”
Auch andere Zitate und Haltungen Herrn Schäubles lassen sehr oft die Vermutung zu, dass er nicht besonders viel von der Meinung des Volkes und vom Willen des Volkes hält, da man alles unter dem “Führungsprinzip” als entbehrlich sehen kann. DAS ist doch die eigentliche Gefahr an diesem “Kampf gegen den Terrorismus”.
- Zentrale Bedeutung der Geheimdienste:
http://www.islamische-zeitung.de/a.cgi?id=9391
Dass gerade die Geheimdienste im Zuge der Überwachung immer mehr an Relevanz für unseren Innenminister bekommen, ist ja mittlerweile auch lange kein Staatsgeheimnis mehr.
- Autoritäre Machtstrukturen: Wo ist denn die Opposition, die sich gegen den Afghanistan-Einsatz eingesetzt hat? Die Grünen? Die Linken alleine reissen es da auch nicht raus. Es gibt keine Opposition, die momentan ernsthaft irgendetwas entgegensetzen kann. Und beim “Kampf gegen Terrorismus” wird ja jeder schnell und gerne mundtot gemacht, der etwas daran kritisiert. Nach dem Motto: Wie kannst du es wagen, dich gegen diesen Kampf um die Freiheit zu stellen, gegen humanitäre Hilfe und gegen die Verbreitung unseres Führerprinzipes… ähhh unserer Demokratie auf der ganzen Welt.
Dietmar Gaida, Fraktionsvorsitzender der Grünen:
"CDU macht uns mundtot."
http://www.rp-online.de/public/article/regional/bergischesland/solingen/nachrichten/solingen/495556
- Militarismus: Jedes Land in der EU verpflichtet sich zur militärischen Aufrüstung. Das ist doch die beste Basis für eine gut funktionierende Militärdiktatur, oder?
http://www.linksnet.de/artikel.php?id=3294
- totalitäres System (ist noch nicht mal zwingend für eine Definition des Faschismus erforlderlich und dennoch
Wenig Freiraum, keine pluralistische Meinung, Kontrolle des Bürgers, Überwachung, Massenvorratsdatenspeicherung, Fingerabdruck, biometrische Daten, Telefonabhörmaßnahmen, Handyortung, RFID…. aber HALLOOOOOOO.
http://disturbed-reality.de/blog/?p=1480
polylog Terror ueberwachung @ www.polylog.tv/videothek
Wir halten fest: FASCHISTOID IST ES BEREITS. Wann wird es zum Faschismus? Oder ist es doch schon Faschismus? Sollte sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Aber eine Wahrheit lässt sich auch nicht mit Augenschliessen verleugnen und nur solange niemand etwas mitbekommt, kann ungehindert alles mit uns gemacht werden.
Deutschland faschistoid?

Die Interpretation ist doch sehr mutwillig. Entscheidende Kriterien zur Ähnlichkeit fehlen, und es gibt genügend Staaten auf dieser Welt, auf welche diese Beschreibung viel eher passen würde (und nein, die heißgeliebten Vereinigten Staaten gehören nicht dazu).
Das Führerprinzip -
Man muss sich schon sehr anstrengen, um gerade Deutschland solcherlei Ideologie noch einmal anzuhängen. Das Prinzip braucht eine Leitfigur (wie eben Mussolini), und wir haben nichts dergleichen. Vereinigen wir uns unter Angela Merkel? Unter Wolfgang Schäuble? Im Gegenteil, die Ablehnung der deutschen Bevölkerung könnte gegenüber ihrer eigenen politischen Spitze kaum größer sein.
Der Nationalismus -
Den hast du in deiner Auflistung der Merkmale des Faschismus wohlweißlich vergessen. Wäre aber integraler Bestandteil gewesen. Und trotz der Fußballweltmeisterschaft im letzten Jahr können die Deutschen noch immer ihre eigene Fahne nicht ansehen, ohne zu schaudern.
Der Rassismus -
Hier muss erst einmal eine Begriffsdifferenzierung vorgenommen werden. Du sprichst von Menschen, die "muslimisch aussehen", reduzierst die von den Menschen zweifelsohne gefühlte Bedrohung also auf äußerliche Merkmale. Das reicht sicher nicht aus, um die Situation zu beschreiben. Durch den Terrorismus ist eine Religion in Verruf geraten, und damit alle ihre Mitglieder unabhängig von der Herkunft. Frag' einfach mal rum, wie mulmig sich die Menschen unversehens fühlen, nur weil der Islam inzwischen Modereligion geworden ist (soviel zur Effektivität der Religionsdiffamierung!) und viele Deutsche zu Moslems geworden sind. Da ist der Punkt "Rassismus" in seiner Begriffsdefinition wirklich schnell am Ende. Das Phänomen der zu Hass gewordenen Angst lässt sich mit diesem Begriff sicher nicht beschreiben.
Der Sozialdarwinismus -
Bei allen gekürzten Leistungen, bei aller Angst vor der zu niedrigen Rente, der wirklich unrosigen Zustände auf dem Arbeitsmarkt ist Deutschland noch immer ein Sozialstaat. Wenn du Nietzsches Ideenwelt als in Deutschland herrschend ansiehst, ignorierst du fundamentale Fortschritte, die in den letzten 60 Jahren gemacht wurden. Nicht die herrschende Ideologie hält den humanistischen Fortschritt auf, sondern die nicht fortgesetzten Reformen und die Wirtschaftslage. Und wenn die zurecht verzweifelten Politiker auf den Slogan "Du kannst, wenn du nur willst" zurückgreifen, dann ganz sicher nicht deshalb, weil sie einen ungeliebten, aus welchen Gründen auch immer Arbeitlosen "entsorgen" wollen. Sollten sie auf die Idee kommen, arbeitslose Menschen auch nur zu diffamieren, kann man sich übrigens wunderbarerweise in Deutschland darauf verlassen, dass jene Politiker von der von dir nicht sonderlich geliebten Presse ordentlich geklatscht werden.
Die freie Entfaltung des Künstlers -
Okay, das ist sicherlich dein schwächster Punkt. Die Anpassung des Kunstschaffenden an die (zuweilen grotesken?) Bedürfnisse des Marktes zur Sicherung seines Lebensunterhaltes hat nichts, aber auch gar nichts mit Faschismus zu tun. Dieses Phänomen geht bis weit in die Antike zurück. Mit seiner Kunst Geld zu verdienen zu können ist ein Privileg, welches auch heute noch, über die Marktverwurstung hinweg, davon abhängig ist, ob den Menschen deine Kunst gefällt. Wir befinden uns NICHT in einem Staat, in dem die (hobby-mäßige!) Ausübung bestimmter Kunstformen von der Regierung unterdrückt wird. DAS wäre faschistoid. Aber wenn du in deiner Garage unentgeltliche Konzerte mit dem Saxophon gibst oder deine Bilder ausstellst, kommt keiner vom Geheimdienst vorbei und schlägt dir deine Zähne ein. Oder wirft dich ins Gefängnis. Der Kontrast sollte hinreichend klarstellen, wie weit wir davon entfernt sind.
Superiorismus und autoritäre Machtstrukturen -
Deutschland ist eine Demokratie. Derzeit sicher schwächelnd und matschig, aber in allen notwendigen Punkten eine Demokratie. Da eine in allen Details plebiszitäre Regierung kaum möglich ist, gibt es sogenannte Volksvertreter. Wenn das Volk mit einem Vertreter nicht zufrieden ist, schlägt sich sein Unmut in Presse und besonders bei der nächsten Wahl nieder. Wolfgang Schäuble ist sicherlich kein fähiger Volksvertreter, alles andere als das. Aber weder kann er eigenmächtig Gesetze, noch gibt es besonders viele Stimmen im deutschen Bundestag, die ihn für eine "bestimmte Person" halten, welche "bessere Entscheidungen treffen kann".
Militarismus -
Bei der nächsten Großkundgebung in deiner Stadt und dem entsprechend inszenierten pompösen militärischen Massenaufmarsch reden wir noch einmal über diesen Punkt.